Niedersächsische Landesforsten

Liebe Leserinnen und Leser des Samtgemeindekuriers!

Heute möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf einen kleinen Falter lenken, der sich in der jüngeren Vergangenheit in unseren Wäldern massiv vermehrt hat. Viele von Ihnen werden schon von ihm gehört haben. Es handelt sich um den Eichenprozessionsspinner (EPS). Nachfolgend ist kurz erläutert, warum Sie diesen Falter, oder vielmehr seine Raupen kennen und meiden sollten.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer nachtaktiver Falter, der in Mitteleuropa heimisch ist. Die zunehmende Klimaerwärmung begünstigt allerdings die flächendeckende Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners, so dass er sich in manchen Bundesländern in den letzten Jahren massiv vermehrt hat. Nach den heißen Sommern und den milden Wintern ist seit 2003 auch eine verstärkte Ausbreitung bei uns in Niedersachsen zu beobachten.

WIE SIEHT DER FALTER AUS, WIE DIE RAUPE?

Die Flügel der Falter sind dunkelgrau bis braungrau gefärbt. Die Spannweite der Flügel kann bis zu 36 Millimetern betragen. Während der Entwicklungsstadien der Raupen können diese bis zur Verpuppung eine Länge von bis zu fünf Zentimetern erreichen. Die dunkle, breite Rückenlinie der Raupen ist stark behaart und mit rotbraunen Warzen versehen.

WORAN ERKENNT MAN EICHENPROZESSIONSSPINNERBEFALL?

Der Eichenprozessionsspinner lebt hauptsächlich an Eichen. Nur in seltenen Fällen bei z. B. starken Massenvermehrungen befällt er auch andere Baumarten. Die Entwicklung der Raupen findet von Anfang Mai bis in den Juli hinein statt. Sie leben gesellig in weißen Gespinstnestern, welche sich meist am Stamm befinden. Von dort wandern die Raupen hinter- oder nebeneinander in namensgebenden Prozessionen zur Nahrungssuche hoch in die Baumkrone.

WARUM SIND DIE RAUPEN EIN PROBLEM?

Der Eichenprozessionsspinner stellt eine Gefahr für die Gesundheit von Menschen dar, wenn sich die Gespinstnester in Siedlungsnähe oder stark frequentierten Erholungswäldern befinden. Mit Beginn des dritten von insgesamt sechs Larvenstadien im Mai, beginnen die Raupen Brennhaare auszubilden. Die für das menschliche Auge nicht sichtbaren, mikroskopisch kleinen Brennhaare sind gesundheitsgefährdend. Sie enthalten ein Nesselgift, welches bei Kontakt mit der Haut, den Augen oder den Atemwegen zu teils schweren allergischen Reaktionen führen kann.

Auch die Wälder leiden unter der massenhaften Vermehrung. Die Raupen ernähren sich von den Blättern der befallenen Eichen. Anders als bei den bisher heimischen Schmetterlingsarten, fressen die Raupen des Prozessionsspinners häufig so spät im Jahr, dass die Eichen nicht noch einmal austreiben können. Insbesondere bei mehrjährigem Befall kommt es daher häufig zum Absterben der befallenen Bäume.

DIE BRENNHAARE DES EICHENPROZESSIONSSPINNERS

Die giftigen Haare der Eichenprozessionsspinner brechen leicht und können durch den Wind auch über 100 m weit getragen werden. Beim Kontakt mit den Brennhaaren kann es zu Rötungen der Haut mit teilweise starkem, mehrere Tage andauernden Juckreiz kommen. Auch stärkere allergische Reaktionen sind möglich.

Beim Auftreten stärkerer gesundheitlicher Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden und auf den Raupenkontakt hingewiesen werden. Die Symptome können mit Medikamenten behandelt und dadurch gemildert werden.

SO SCHÜTZEN SIE SICH…

Am sichersten ist es, wenn Sie befallene Gebiete meiden.  Besonders gefährdet sind unbedeckte Körperstellen (Gesicht, Hals, Innenseite der Arme und Beine, Achselhöhlen, Armbeugen und Kniekehlen). Tragen Sie dichtschließende Kleidung und vermeiden Sie offene Hautpartien. Sollten Sie in Kontakt mit Brennhaaren gekommen sein, reinigen Sie sofort Ihre Kleidung.

…UND WAS KANN MAN DAGEGEN TUN?

Im Vordergrund der Behandlungsmaßnahmen stehen vor allem der Schutz und die Gesundheit der Menschen. Bei schwachem Befall oder wenn die betroffenen Waldgebiete keine Erholungsschwerpunkte sind, ist eine Behandlung meist nicht erforderlich.

Die Entfernung der Eichenprozessionsspinnernester im urbanen Bereich sollte ausschließlich durch Spezialfirmen erfolgen. Diese können unterschiedliche Methoden zur Bekämpfung anwenden, die mechanisch, biologisch oder chemisch wirken. Effektiv ist das Absaugen der Raupen mit einem Industriesauger für Gefahrstoffe oder Asbest. Dieses Verfahren bietet sich vor allem bei Einzelbäumen in Siedlungsnähe an. Das Abflammen der EPS-Nester wird nicht empfohlen, da dadurch die mikroskopisch kleinen Brennhaare in der Luft weit verteilt werden.

Die Behandlung mit chemischen Produkten im Wald sollte erst in Erwägung gezogen werden, wenn sich keine alternativen Maßnahmen durchführen lassen und der Fortbestand des Waldes durch den Kahlfraß der EPS bedroht ist. Da die Raupen im Kronenraum der Eichen leben, muss die Behandlung mit Fluggeräten aus der Luft erfolgen.

Haben Sie Wünsche und/oder Anregungen? Schreiben Sie mir gern unter Michael.Cordes@nfa-wolfenb.niedersachsen.de eine Nachricht.

Weitere Informationen finden Sie auch auf www.landesforsten.de

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